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Mainstream

Mainstream

Der Mainstream (englisch, wörtlich Hauptstrom) spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wieder, im Gegensatz zu Subkulturen oder dem ästhetischen Underground.

Mainstream in der Popkultur

Der Begriff Mainstream wird in der Popkultur verwendet, um eine Abgrenzung zu Subkulturen und Nischenkulturen zu benennen. Er kann von Kritikern des Mainstreams verwandt werden, die damit auch ihre Abneigung ausdrücken können. Besonders als Teilwort (Mainstream-Rock, Mainstream-Kino) verwendet kann es, muss aber nicht zwingend negativ behaftet sein. Diese Form des Kulturpessimismus sieht besonders im Bereich Musik und Film, dass sich „der“ Mainstream immer mehr durchsetze, was eventuell Mitursache von sinkenden Umsatzzahlen der Musikindustrie sei. Diese Kritiker beobachten auch, dass Künstler, die jenseits des Mainstreams agieren, weniger Chancen haben, in Radio und Fernsehen präsentiert zu werden.

Mainstream economics

„Mainstream economics“ ist ein Begriff für eine ökonomische Hypothese, welche für einen bestimmten Zeitraum die allgemein akzeptierte Grundlage für Analysen der wirtschaftlichen Geschehnisse und die herrschende Lehre bildet. Der Definition zufolge ist dieser „Mainstream“ nicht allgemein Gültig, sonder nur bis zu deren Widerlegung oder bis zur Akzeptanz einer anderen Theorie mit ganzheitlicher „Gültigkeit“.

Weitere Verwendung

Prinzipiell lässt sich der Begriff auf viele weitere Bereiche, insbesondere Gesellschaft, Politik und Einzelwissenschaften, ausweiten. Viele alternativ und reformistisch gesonnene Menschen kritisieren vor allem den „gedanklichen Mainstream“. Der Hauptvorwurf hier besteht darin, dass zu viele Einflüsse auf Individuen unreflektiert übernommen werden bzw. das kritische Denken in den Hintergrund gerückt wird und man mit der Masse zieht, meistens vor dem Hintergrund, um nicht als Außenseiter dazustehen.

Mainstreaming

Der Begriff Mainstreaming wird benutzt, um den Versuch der Integration und Besserstellung benachteiligter sozialer Gruppen anzuzeigen. So wird z.B. die Integration Behinderter bezeichnet, insbesondere im Bereich der Schul- und Bildungspolitik. Damit verbunden ist insbesondere, dass Sondereinrichtungen und Sondermaßnahmen in Mainstream-Umgebungen entfallen und spezielle Fördermaßnahmen in die Regelschul-Umgebung verlagert werden. Um gleiche Chancen für Männer und Frauen in der Beschäftigung zu erreichen, wurde in der Bundesrepublik das "Gender Mainstreaming" eingeführt.

Weblinks


- [http://www.abenteuerundfreiheit.de/Materialien/holert_mainstream.pdf "Mainstream der Minderheiten" - Zur Diskussion um Mainstream/Alternatives in der Popmusik] Siehe auch: Einheitsdenken Kategorie:Soziologie

Englische Sprache

Die englische Sprache (Englisch) ist eine germanische Sprache. Sie gehört, wie auch das Deutsche und das Niederländische, dem westlichen Zweig der germanischen Sprachen an. In einem eigenen Artikel gibt es mehr zur Geschichte der englischen Sprache. Englisch ist heute die am weitesten verbreitete Sprache der Welt, während es sich bei Mandarin-Chinesisch um die meistgesprochene Sprache handelt. Die englische Sprache wird in sehr vielen Ländern als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt (siehe Englisch (Schule)) und ist offizielle Sprache der meisten internationalen Organisationen. Viele dieser Organisationen haben daneben noch andere offizielle Sprachen. Englisch gilt als Weltsprache. Heute wird Englisch weltweit von etwa 340 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, das heißt, etwa 340 Millionen Menschen sind anglophon. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 510 Millionen Sprecher.

Verbreitung

Amtssprache

Englisch ist Amtssprache in den folgenden Staaten, wobei die Zahlen die ungefähre Zahl der Muttersprachler angeben, soweit bekannt: Englisch ist zudem Amtssprache bei der Europäischen Union, bei der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten und bei den Vereinten Nationen.

Sonstige Verwendung

Die englische Sprache dient zudem als Verkehrssprache in folgenden Ländern und Regionen:
- Gibraltar
- Hongkong
- Israel
- Malaysia
- St. Martin
- Somalia
- Zypern

Sprachwissenschaftliche Einordnung

Das Englische gehört zu den indogermanischen Sprachen, die ursprünglich sehr stark flektierende Merkmale aufwiesen. Alle indogermanischen Sprachen weisen diese Charakteristik bis heute mehr oder minder auf. Es besteht jedoch in allen diesen Sprachen eine Tendenz weg von flektierenden und hin zu isolierenden Formen. Im Englischen ist diese Tendenz besonders ausgeprägt gewesen, so dass es sich im Laufe seiner Entwicklung im Wesen stark gewandelt hat. Heute trägt die englische Sprache überwiegend isolierende Züge und ähnelt strukturell teilweise stärker isolierenden Sprachen wie dem Chinesischen als den genetisch eng verwandten Sprachen wie dem Deutschen. Zudem hat sich die Sprache heute durch die weite Verbreitung in viele Dialekte aufgeteilt. Viele europäische Sprachen bilden auch völlig neue Begriffe auf Basis der englischen Sprache (Anglizismen). Auch in einigen Fachsprachen werden die Termini von Anglizismen geprägt, z.B. in den Bereichen Informatik und Wirtschaft. Der Language Code ist en beziehungsweise eng (nach ISO 639); der Code für Altenglisch (etwa 450 bis 1100) ist ang und der Code für Mittelenglisch (etwa 1100 bis 1500) ist enm.

Sprachvarianten der englischen Sprache

Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache hat diese in verschiedenen Gegenden zahlreiche Varianten entwickelt. Nach der bekanntesten und fremdartigsten Variante des Englischen spricht man oft auch von einer Pidginisierung, wenn eine Sprache sich durch ihre weite Verbreitung in mehrere Sprachen aufzuteilen beginnt, die untereinander kaum noch kompatibel sind. Folgende Sprachvarianten werden unterschieden:
- Siehe auch: Internationale Klassifizierungen (Englische Sprache) Eine Reihe von Pidginsprachen und Kreolsprachen haben sich auf englischem Substrat entwickelt. Das Eindringen von Anglizismen in andere Sprachen wird manchmal mit abwertenden Namen wie "Denglisch" (Deutsch und Englisch) oder "Franglais" (Französisch und Englisch) versehen. Dabei handelt es sich nicht um Varianten des Englischen, sondern um Erscheinungen in anderen Sprachen.
- Siehe auch: Englische Sprache in anderen Sprachen Der scherzhafte Begriff "Engrish" bezeichnet ebenfalls keine Variante der englischen Sprache, sondern bezieht sich auf das unbeholfene Englisch, das gelegentlich in asiatischen Ländern anzutreffen ist, hier insbesondere bei Japanern, die den Lateral "l", der im Japanischen nicht vorkommt, durch "r" ersetzen.

Ähnliche/Verwandte Wörter

Deutsch und Niederländisch

Überraschend sind die sehr zahlreichen englischen Wörter, bei denen die Verwandtschaft mit dem Deutschen und dem Niederländischen durch Bedeutungsverschiebung oder -verengung oft nicht ins Auge fällt.

Dänisch

Französisch

Textsammlungen

Beim Project Gutenberg stehen zahlreiche Texte frei zur Verfügung.

Siehe auch


- Englische Grammatik
- Ghoti
- Liste englischer Redensarten
- Englische Phonetik
- Englische Sprache in der Werbung
- Liste von Sprachen nach der Zahl ihrer Muttersprachler
- Chronologie englischsprachiger Medien

Literatur


- Wolfgang Viereck, Heinrich Ramisch, Karin Viereck: dtv Atlas Englische Sprache. dtv, 2002. ISBN 3423032391
- J. C. Wells: Accents of English. Volume I: An Introduction. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521297192
- J. C. Wells: Accents of English. Volume II: The British Isles. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521285402
- J. C. Wells: Accents of English. Volume III: Beyond the British Isles. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521285410
- Michael McCarthy, Felicity O'Dell: English Vocabulary in Use. upper-intermediate and advanced. Cambridge University Press, 1994
- Raymond Murphy: English Grammar in Use. Cambridge University Press, 1985
- Robert Phillipson: Linguistic Imperialism. Oxford University Press, 2000. ISBN 0194371468

Weblinks


- http://dict.leo.org/ – umfangreiches und ständig erweitertes Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Online-Wörterbuch
- http://www.odge.de/ - Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Wörterbuch mit über 420.000 Übersetzungen (auch ungewöhnliches)
- http://www.dict.cc/ – Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Wörterbuch mit mittlerweile über 400.000 Übersetzungen
- http://www.dict.org/ – greift auf mehrere Wörterbücher zu, die das dict-Protokoll benutzen
- http://www.EnglishTensesWithCartoons.com Englishe Zeiten
- http://www.phon.ucl.ac.uk/home/estuary/index.html - Estuary English
- http://www.wordorigins.org/ – Die Herkunft einiger hundert englischer Wörter
- http://www.etymonline.com/ – Online Etymology Dictionary, Erklärungen zur Herkunft einiger tausend englischer Wörter
- http://www.englisch-hilfen.de/ – kostenlose Nachhilfe mit Erklärungen und Übungen
- http://www.ego4u.de/ – Englische Grammatik Online
- http://www.sprachschule-lbt.de/index.php?sprachschulen=englischkurse-5-spaltensystem&englisch-lernen=lernhilfen – kostenloses Grammatiksystem der englischen Sprache zum Selbstlernen
- http://www.quickdic.de/ – Wörterbuch zum Herunterladen
- http://www.phrasen.com/ – Wörterbuch der englischen Redewendungen
- http://www.urbandictionary.com - Slang Dictionary
- http://www.woerterbuch.info/ – Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen
- http://www.alt-usage-english.org/audio_archive.shtml - Sprachfiles für Indisch-, Britisch-, Austrailienenglish und noch vieles mehr Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Englische Sprache Kategorie:Anglistik als:Englische Sprache ja:英語 ko:영어 ms:Bahasa Inggeris simple:English language th:ภาษาอังกฤษ zh-min-nan:Eng-gí

Subkultur

Eine Subkultur („Unterkultur“) bezeichnet in der Soziologie eine bestimmte Untergruppe (Teilmenge) einer Kultur, deren grundsätzliche Werte und Normen die Mitglieder der Subkultur teilen. Die verschiedenen subkulturellen Gruppierungen einer Kultur unterscheiden sich durch sekundäre kulturelle Elemente voneinander. Beispiele
- Ein typisches Beispiel für Subkulturen sind traditionell eng vernetzte Berufsgruppen, z. B. die Anwälte oder die Schausteller.
- Als ein sehr gewichtiges Beispiel lassen sich die sozialen Klassen auch als "Subkultur" fassen. Die Mitglieder jeder sozialen Klasse (z. B. der Adel, die Bourgeoisie, das Proletariat) kultivieren eigene Werte, Normen und Verhaltensweisen, über die sie sich von der restlichen Kultur differenzieren, ohne jedoch die grundsätzlichen kulturellen Werte und Normen der dominanten Hauptkultur in Frage zu stellen.
- Andere Beispiele finden sich in den so genannten Jugendkulturen. Diese unterscheiden sich oft über Kleidung, Musik und bestimmte Verhaltensweisen von der sie umgebenden Hauptkultur, ohne diese jedoch grundsätzlich in Frage zu stellen.
- Weitere bekannten Subkulturen sind die homosexuelle und die BDSM Subkultur. Umgangssprachlich wird der Begriff "Subkultur" heute oft auch auf die so genannte "Gegenkultur" (counterculture) angewandt, die sich aber als im genauen Gegensatz zu den herrschenden Werten betrachtet (z. B. christliche Fundamentalisten in einer sehr liberalen Gesellschaft). Aber auch neue Trends in Philosophie, Literatur, Mode, Kunst oder Musik werden oft zuerst von kleineren Gruppen gestartet oder aufgegriffen, die damit in Opposition zum Mainstream (siehe auch Bürgertum) stehen. (Nicht nur musikalische) Subkulturen der 80er stellten Punk, New Wave, Disco oder der frühe Hip Hop dar. in den 90ern gab es dann Alternative Rock, House, Techno, Gothic etc., und ihre jeweiligen Sub-Subkulturen (z.B. Gabber), die weit über die Musik hinaus gingen und ganze Lebensstile prägten. In der Welt der Technik stellen die Hacker eine Subkultur dar. Auch Personen, die eine bestimmte Sportart betreiben, so wie die Surfer oder Skateboarder, haben eigene Subkulturen. Heute vermischen sich zunehmend Mainstream und Subkultur durch zunehmende Kommerzialisierung neuer Trends seitens interessierter Industrien.

Literatur

Der Schriftsteller Rolf Schwendter hat verschiedene Aspekte und Motivationen von Subkulturen untersucht. Sein Buch Theorie der Subkultur erschien im EVA Taschenbuch Verlag in Hamburg (ISBN 3-434-46210-4).

Siehe auch


- Streetwear
- Underground
- Simple living
- Postmoderne
- Pop
- DIY
- Gegenkultur

Weblinks


- [http://www.criminologia.de/downloads/Subkulturtheorie.pdf Übersicht zu den klassischen kriminologischen Theorien der Subkultur]
- [http://www.jugendszenen.com www.jugendszenen.com liefert Einblicke in 17 jugendkulturelle Szenen] Kategorie:Soziologie ! ja:サブカルチャー th:วัฒนธรรมย่อย

Underground (Kunst)

Der Underground (englisch, wörtlich Untergrund) ist ein Begriff, der in vielen Sparten der Kunst den Teil der Szene bezeichnet, der nicht auf die Masse ausgerichtet ist, unabhängig produziert und oft auch eine Gegenkultur darstellt. Gegenpol ist der sogenannte Mainstream, mit dem die allgemein etablierte, oder auch für die „Masse“ produzierte Kunst bezeichnet wird. Häufig orientiert sich der Mainstream später am Underground, kopiert Elemente und Ideen. Die Grenzen zwischen Underground und Mainstream sind fließend. Oft greifen Vertreter des sogenannten Underground die etablierte oder kommerzielle Kunst (Darstellende Kunst, Musik, Literatur) öffentlich an und sprechen diesen die künstlerische Qualität ab: Es handele sich um seichte Massenware, die nur an kommerziellem Erfolg interessiert sei und zudem meist reaktionäre Inhalte vertrete. Besonders in der Szene der Rock- und Popmusik hat sich hier ein regelrechter Streit zwischen Under- und Overground entwickelt, in dem Underground auch zu einem marketingwirksamen Schlagwort wurde, oft ohne mit irgendwelchen Inhalten verbunden zu sein (z.B. Grunge, "Alternative"). Auch in der Jugendkultur und bei den Clubs gibt es eine klare Trennung zwischen Underground und Mainstream, wobei hier die Leute, die Underground-Kultur schaffen für sich beanspruchen, die anspruchsvolleren, authentischeren (etwa experimentelleren) Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und Ähnliches zu bieten, die dazu unabhängig von kommerziellem Erfolg, aus Idealismus und Kreativität entständen. Dieser Streit ist einerseits absurd, da viele Aktionen, die vorher stolz als Underground bezeichnet wurden, nach dem entsprechenden Erfolg und mit den dann vorhandenen Mitteln kommerzialisiert werden und so dem Mainstream angehören. Andererseits muss auch ein kommerzieller Erfolg nicht bedeuten, ursprüngliche Ideale und Abneigungen zu verraten. Viele Werke der Hochkultur stellen heute - gemessen etwa an ihren Verkaufszahlen - auch eine Art Underground dar. Im Film waren es der Experimentalfilm, der Undergroundfilm oder Strömungen wie Nouvelle Vague, Autorenfilm, New British Cinema, die einer Hollywood-Ästhetik andere Bilder und Inhalte entgegenstellten.

Beispiele

In der Musik:
- Die Anfänge von Punk, Alternative, House, Techno, Hip Hop
- Heutige Sub-Genres (Siehe z.B. Death Metal, Grindcore, Liste der elektronischen Musik)
- Die Hardcore Punk-Bewegung In der Literatur:
- Fanzine
- Poetry Slam Im Comic:
- Underground-Comics (v.a. Robert Crumb, Gilbert Shelton) In der Kunst:
- Off-Galerie, Off-Kunst
- Demoszene

Siehe auch


- Streetwear, Untergrundliteratur, Independent, Credibility, Subversion, Kunst, Kulturindustrie, Avantgarde, Massenmedien, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit Kategorie:Kunst Kategorie:Musikgenre Kategorie:Comic Kategorie:Film

Nischenkultur

Als Nischenkultur werden in subkulturellen Gruppen ausgeübte kulturelle Praktiken und Vorlieben bezeichnet. Diese Gruppen unterscheiden sich in Geschmack und Lebensstil vom Mainstream. Kategorie:Subkultur Kategorie:Soziologie

Musik

Die Musik (griechisch μουσική (τέχνη) - musiké (téchne) - Kunst der Musen, in der lateinischen (ars) musica bereits in der eingeengten Bedeutung Tonkunst, Tonwerk, musikalische Darbietung, bereits im Althochdeutschen als Lehnwort; ähnliche Entlehnung in unzähligen weiteren Sprachen) bezeichnet
- die Tonkunst: die künstlerische Erzeugung akustischer Ereignisse;
- Werke der Tonkunst;
- umgangssprachlich die Wiedergabe musikalischer Werke ("Wollen wir Musik hören?"). Für eine strukturierte Linkliste siehe: Portal:Musik.

Genauere Begriffsbestimmung und das Material der Musik

Musik ist gestaltete Zeit (im Gegensatz etwa zur bildenden Kunst, die Raum gestaltet). Musik kann nur als Ablauf in der Zeit erlebt werden. Aus diesem Grund setzt Musik beinahe begriffsnotwendig eine rhythmische Ordnung ihres Rohmaterials (Geräusche, Töne, Klänge) voraus. Außer durch Rhythmus kann musikalisches Material durch Melodie (die Abfolge verschiedener Tonhöhen) und Harmonie (die Gleichzeitigkeit bestimmter Tonhöhen) organisiert sein. In Einzelfällen wird auch ein räumlicher Effekt, der dadurch entsteht, dass jedes Instrument an einer Stelle erklingt und somit (begrenzt) ortbar ist, gezielt eingesetzt, etwa in mehrchöriger Musik mit entsprechender räumlicher Aufstellung der einzelnen Gruppen. Eine genaue Bestimmung, was Musik ist und was nicht, ist nicht möglich. Gestaltung durch den Menschen ist keine notwendige Voraussetzung, sofern man nicht die Laute der Vögel ausschließen möchte. Gedankenloses Vor-sich-hin-pfeifen, die Fahrgeräusche einer Lokomotive und das Stimmen eines Instruments sind andere Grenzfälle, an denen jeder Versuch einer scharfen Abgrenzung von Musik und Nicht-Musik scheitern muss. Schließlich haben avantgardistische Komponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz bewusst die Grenzen dessen, was Musik ist, gesprengt, indem sie darauf verzichteten, Rhythmus, Harmonie, geschweige denn Melodie zu gestalten: Beispielsweise wurden mit dem Tonbandgerät aufgezeichnete Allerweltsgeräusche in den Konzertsaal geholt, die Beschränkung auf tonale (Dur- und Moll-)Systeme aufgegeben (Atonalität; Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno), musikalische Werke unter Zufallsbedingungen hergestellt (Aleatorik) oder Stille als Musikstück deklariert (John Cage).

Musikwissenschaft

Die Musikwissenschaft und ihre Disziplinen behandeln mit wissenschaftlicher Methodik die Entwicklung und Entstehung von Musik (Musikgeschichte), ihre Komponisten, deren Werke und Interpreten sowie die Musikinstrumente (Instrumentenkunde). Weitere Forschungsrichtungen der Musikwissenschaft sind die Musiktheorie, als Werkzeug der Analyse und als Kompositionskunde, mit der Königsdisziplin Harmonielehre, sowie die Musiksoziologie und Musikpsychologie. Die Musikwissenschaften werden grob in drei Gruppen eingeteilt: # systematische Musikwissenschaften:
Musiksoziologie, Musikästhetik, musikalische Akustik, Musikpädagogik, Musikpsychologie, musikalische Volkskunde (Musikethnologie), Physiologie des Instrumentalspiels # angewandte Musikwissenschaften:
Musikkritik, Musiklehre, Instrumentenbau # historische Musikwissenschaften:
Instrumentenkunde, Notationskunde, Satzkunde, Ikonographie, Quellenkunde, Stilkunde, Biographie, musikalische Aufführungspraxis

Gattungen, Formen, Genres und Stile

Mit der Systematisierung von Musik nach intersubjektiven Kriterien beschäftigen sich die Disziplinen Gattungskunde und Formenlehre sowie die Stilkunde (siehe Stilrichtungen der Musik). Die Musikwissenschaften haben mehrere Ordnungsdimensionen entwickelt, die mit unterschiedlichem Erfolg auf Musik angewendet werden. Nach Art der Beteiligung:
- Vokalmusik (siehe auch a cappella)
- Instrumentalmusik Nach wertmäßiger Einordnung:
- E-Musik (so genannte Ernste Musik),
- U-Musik (Unterhaltungsmusik, Populäre Musik). (wobei gerade diese Unterteilung, so wie auch die ihr zu Grunde liegenden Werte, verschiedentlich hinterfragt und auch abgelehnt wurden und werden) Nach Herkunft:
- Musik aus der europäischen Abstammungslinie (alte, klassische, romantische, zeitgenössische Musik)
- Außereuropäische Musik, heute auch Weltmusik genannt, die von der Musikethnologie untersucht wird Nach Verwendungszweck, bzw. Anlass der Entstehung:
- Funktionale Musik, von liturgischer Musik über Militärmusik, Filmmusik bis zur Muzak
- Autonome Musik, die um ihrer selbst willen komponiert und aufgeführt wird
- Programmmusik, der ein außermusikalisches Programm zugrundeliegt
- Virtuosenmusik, die nur der Zurschaustellung der Fähigkeiten eines Virtuosen dient
- Gelegenheitskomposition, im Gegensatz zu gültigen Werken eines Komponisten
- Sakrale Musik und Liturgische Musik, z.B. Choral, Kirchenlied, Messe, Oratorium
- Profane Musik oder Weltliche Musik Nach Tonsystemen:
- Kirchentonarten
- Neuntonmusik (speziell... siehe Osvaldo Antonio Ovejero [http://www.mica.at/person/person_detail.asp?clr=5&iID=69010 externer Link] )
- Zehntonmusik (fernöstlich)
- Zwölftonmusik (üblich)
- Vierteltöne Nach Menge der Beteiligten:
- Solo
- Duett/Duo
- Terzett/Trio
- Quartett
- Quintett
- Sextett
- Septett
- Oktett
- Nonett
- Dezett
- Orchester
- Chormusik
- Ensemble Als Spezialfall des 19. und 20. Jahrhunderts nach Tonalitätsvorstellung:
- Tonale Musik
- Atonale Musik

Beziehung zu anderen Kunstformen

Architektur

In der griechischen und römischen Antike waren Musik und Architektur viel enger miteinander verknüpft als dies heute der Fall ist. Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden Künsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In ähnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik. Mehr zur Beziehung von Musik und Architektur siehe Architektur#Musik.

Literatur

Die Verbindung von Musik und Text/ Literatur ist in vielen Musikstilen elementarer Bestandteil bzw. konstituiert bestimmte musikalische Gattungen (Oper/ Kunstlied/ Popsong) überhaupt erst. Von Interesse dabei ist der Gesamtausdruck, der im Zusammenspiel von Musik und Text entsteht. Es kann aber auch vorrangig um eine inhaltliche Mitteilung gehen, wie sie mit dem Liedtext scheinbar beabsichtigt ist. Liebes- und Protestlied sind solche Formen der direkten Aussage. Allerdings wird durch die musikalische "Verpackung" der Inhalt mit einer Wertung versehen, die Sender und Empfänger in der Kommunikation entweder verstehen oder missverstehen können. Eine indirektere Verbindung von Musik und Literatur stellen Schauspilemusiken dar, die in ihrer Wirkung bereits eine gewisse Nähe zur Filmmusik aufweisen.

Anwendung

Während Musik oft als reine und zweckfreie Kunst angesehen wird, ist ihre gezielte Nutzung weit verbreitet: Zum Beispiel zum Wecken bestimmter Emotionen (z. B. Werbung, Filmmusik), zur Verdeutlichung von Inhalten, die über ein anderes Medium (z. B. Text, Stimme, Video/Animation) übermittelt werden, zu therapeutischen Zwecken (Musiktherapie), u. v. m. Auch die Kombination mit anderen Kunstformen ist in der Musik besonders häufig, z.B. mit Lyrik (Lied, Oper, Popsong usw.) oder Tanz (Ballett). Aufgrund dieser kommunikativen Funktion bezeichnet man Musik auch als eine universelle Sprache. Musik kann entweder spontan entstehen (Improvisation), oder nach schriftlich fixierten Aufzeichnungen ausgeübt werden (Komposition, Notenschrift).

Geschichte

Die Entwicklung der Musik kann in Epochen unterteilt werden, die sich in der konventionellen Musikgeschichte an die Formen der Bildenden Kunst und Architektur anlehnen (z.B. Musik der Antike, Renaissancemusik, Barockmusik, Klassische Musik usw.); neuere Forschungen bemühen sich jedoch, eine Historiographie zu entwickeln, die weniger von den äußeren Rahmenbedingungen als vielmehr der musikalischen Strukturen selbst ausgeht. In der Chronologie der musikalischen Entwicklung können folgende eurozentristische Abschnitte unterschieden werden:
- Mittelalter - Musik vor dem 13. Jahrhundert, Musik des 13. Jahrhunderts
- Musik der Neuzeit - Musik des 14. Jahrhunderts, Musik des 16. Jahrhunderts, Musik des 17. Jahrhunderts, Musik des 18. Jahrhunderts, Musik des 19. Jahrhunderts
- Musik der Moderne und Postmoderne - Musik des 20. Jahrhunderts

Musiksoziologie

Musik ist nicht nur Selbstzweck und Kulturgut, sondern auch eine umsatzstarke Branche der Kulturindustrie. Die heutige Musikindustrie prägt musikalische Entwicklungen (Casting-Bands, Schaffen von Opernstars), absorbiert und kommerzialisiert unabhängig entstandene Formen (Jazz, Punk) und übt in Form von massiver Lobbyarbeit Einfluss auf politische Entscheidungen aus (Copyright).
Weitere Themenbereiche der Musiksoziologie sind Identitätsbildung durch geteilte Musikpräferenzen (siehe auch Jugendmusikkultur) und die Eingebundenheit der Musikausübung und des Musikonsums in gesellschaftliche Strukturen wie Geschlecht, soziale Klasse und Lebensstil.

Musik und Mensch

Kulturhistorisch und bei der Entstehung der Säugetier-Art Mensch (Evolution) spielen Musik und ihre Wahrnehmung durch Ohr, Gehirn und die individuelle Rezeption im Sinne einer sofortigen, unvermeidbaren Bewertung eine enorme Rolle. Musikgeschmack, Musikvorlieben, musikalische Bildung haben alle hörenden Menschen - sie sind sich nur nicht einig in der Bewertung. Diese ist immer subjektiv und gleichzeitig ist sie kulturell geprägt (musikalische Sozialisation). Ob Musik zur Kommunikation vor der Sprachentwicklung oder beide in einer wechselseitigen Beeinflussung stattfanden, wird sich nicht mehr klären lassen. Aber Musik als Kommunikationsmitttel ist weltweit verbreitet. Die Psychologie sagt, dass Musik Emotionen transportiert aber auch Emotionen verändert. Das ist unabhängig von der Frage des Unterschieds von Vokalmusik und der Nutzung von Instrumenten zur Musikerzeugung oder -verstärkung.

Musiktechnologie

Neben den Unternehmen der Medienindustrie übt auch die Musiktechnologie zunehmenden Einfluss auf Hörgewohnheiten und das Musikangebot aus. Für die Rezeption von aufgezeichneter Musik sind Abspielgeräte (Tonbandgerät, Schallplattenspieler, CD-Spieler, MP3-Player usw.) notwendig, die sich zunehmend an den Möglichkeiten der Computertechnologie orientieren. Mit der Einführung der Audio-CD begann die Digitalisierung der Musik; durch das Aufzeichnungsformat MP3 wurde die psychoakustische Kompression von Musik eingeführt, bei der solche Anteile aus Musikdaten entfernt werden können, die für die Klangqualität als weniger wichtig erachtet werden. Da damit die Gefahr von unberechtigten Kopien (Raubkopien) heraufbeschworen wurde, werden heute Audiodateien zusehends mit Hilfe von DRM Digital Rights Management versehen, das nur eine feste Anzahl autorisierter Kopien erlauben soll. Mit der Einführung neuer Technologien wie z. B. der DVD-Audio oder der SACD (Super Audio CD) ist die bis dato vorherrschende Wiedergabe-Technologie im Ein-Kanal- (Mono) bzw. Zwei-Kanal-Verfahren (Stereo) um mehrkanalige (im allgemeinen Fünf-Kanal-, "Surround" genannte) Wiedergabemöglichkeiten erweitert worden. Der Einfluss der Technologie auf die Musik geht aber weit über die Verfahren zur Speicherung und Wiedergabe von Musikstücken hinaus. Wie seit jeher Instrumentenbauer die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit auf der Suche nach dem vollendeten Klang auszuschöpfen suchten, so hat auch das 20. Jahrhundert die Elektronik zur Schaffung neuer Musikinstrumente mit eigenständigem Klangcharakter genutzt. Beispiele hierfür sind u.a. die Elektrogitarre, die Hammondorgel oder der Synthesizer. Des weiteren wird in modernen Produktionsstudios immer mehr auf Computer zur Erstellung von Musik gesetzt. Wichtig sind hier Systeme wie MIDI oder Software Synthesizer, mit denen ganze Orchester imitiert werden können. Neben der Speicherung und Produktion von Musik wird auch das Nachschlagen durch moderne Technologie vereinfacht. In den fünfziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen Bücher wie Barlow und Morgensterns "A Dictionary of Musical Themes" und Parsons' "A Directory of Tunes and Musical Themes", die es dem Leser ermöglichen, Melodien z. B. anhand des Parsons-Codes zu identifizieren. Inzwischen gibt es aber viel bessere Methoden dafür, z. B. Musipedia, eine Online-Suchmaschine für Melodien.

Wirkungen

Der Musik werden die unterschiedlichsten emotionale und psychologische Wirkungen zugeschrieben; das Spektrum reicht von der einer heilenden Wirkung (z. B. Musik von Bach und Mozart, New Age-Musik) bis hin zu "destruktiven" Wirkungen (z. B. bei Death Metal, Gothic, Musik von Schönberg), die durchaus beabsichtigt sein können. Bis heute konnten die Musikwissenschaft und ihre Hilfsdisziplinen nicht abschließend klären, in welchem Grad diese Wirkungen mit den kulturellen Rahmenbedingungen zusammenhängen; so wurde durch die Verbreitung der Rockmusik noch vor wenigen Jahrzehnten der Untergang des Abendlandes befürchtet; andererseits weist die Medienwirkungsforschung zumindest in speziell dispositionierten Fällen Wirkungen wie Selbsttötungen nach. Allerdings sind auch diese Forschungsergebnisse umstritten. Auch Pflanzen und Tiere sollen auf Musik reagieren; bestimmter Musik wird eine positive Wirkung auf das Wachstum von Zimmerpflanzen nachgesagt; selbst in der Tierhaltung wird gelegentlich Musik eingesetzt. Vollkommen im Bereich der Spekulation liegt die Unterstellung der universellen Verständlichkeit von Musik; so kommunizieren Erdenbewohner in Steven Spielbergs Spielfilm Unheimliche Begegnung der dritten Art mit außerirdischen Besuchern über Tonfolgen und Klänge. Selbst die heutigen Raumsonden der NASA und ESA enthalten Aufzeichnungen von Musik, die der Verständigung mit außerirdischen Lebensformen behilflich sein sollen (siehe Sounds of Earth).

Literatur


- MGG - Musik in Geschichte und Gegenwart: allgemeine Enzyklopädie der Musik hrsg. von Friedrich Blume. Bärenreiter Metzler. MGG Personenteil in 17 Bänden (1999 ff.), MGG Sachteil in 10 Bänden. [http://www.mgg-online.com]
- Leonard Bernstein: Musik - die offene Frage. Vorlesungen an der Harvard-Universität. München: Goldmann, 1976. ISBN 3-442-33052-1
- Hans Renner: Grundlagen der Musik - Musiklehre. Stuttgart: Reclam, 1953. ISBN 3-15-007774-5
- dtv-Atlas Musik. Bd. 1 u. 2. ISBN 3423030224
- Harenberg Komponistenlexikon. Dortmund 2001. ISBN 3-611-00978-4 "Das grosse Lexikon der Musik", herausgegeben von Marc Honegger und Günther Massenkeil, Freiburg im Breisgau 1978 und 1987

Siehe auch


- Portal:Musik
- Musikliteratur
- Universalien der Musikwahrnehmung

Weblinks


- [http://www.miz.org/ Deutsches Musikinformationszentrum, Bonn]
- [http://dma-opac.ddb.de/ Online-Katalog (OPAC)] des Deutschen Musikarchivs Berlin
- [http://www.gnoosic.com/ Gnoosic - Das webbasierte Empfehlungssystem für Musik]
- [http://www.music-map.de/ Music-Map - Die Welt der Musik nach Geschmack sortiert]
- [http://de.musipedia.org/ Musipedia - kollaborative Musikenzyklopädie, eine Art Wikipedia für Musik]
- [http://www.hirnforschung.de/Musik.php4 Newsletter zu Gehirn und Musik von hirnforschung.de]
- [http://www.gratisipodvideo.de.vu/ Seite des beliebtesten Musikplayers, des Ipods] !Musik Kategorie:Musiktheorie fiu-vro:Muusiga ja:音楽 ko:음악 ms:Muzik simple:Music th:ดนตรี

Musikindustrie

Der Begriff Musikindustrie bezeichnet den Industriezweig, der Musik produziert.

Begriffsgeschichte

Ursprünglich als reiner Fachbegriff für die sich seit den 1890er Jahren durch die Einführung der Notenrolle sich entwickelnde industrielle Massenproduktion von Trägermedien entstanden, bezog sich der Begriff damals einzig auf die wirtschaftlichen Vorgänge zur Herstellung und den Verkauf von Musik. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff zunehmend verwässert und durch synonyme Begriffe wie Musikwirtschaft oder "Phonographische Industrie" teilweise ersetzt. Zu dieser Verwässerung trug in starkem Maße der englische falsche Freund music industry bei, der korrekt übersetzt Musikbranche lautet (engl. industry = Branche). So umfasst der Begriff heute die Talentsuche und Herstellung von CDs (Labels, Presswerke und Studios), die Werbung und Promotion (Fernsehen, Film, Musikvideos, Rundfunk, Printmedien, Internet und Konzerte), den Vertrieb und Verkauf (Einzelhandel, Webshops), die Musikverlage, Urheberrechtgesellschaften (BMI) und Verwertungsgesellschaften (GEMA) bis hin zu den Interessenverbänden (IFPI).

Kritik

Bereits 1948 kritisierte die erste wissenschaftliche Veröffentlichung (Adorno/Horkheimer: „Dialektik der Aufklärung“) die Kommerzialisierung der Kulturindustrie („industrialisierte Produktion von Kultur“) und damit auch die Musikindustrie: Die Kunst würde in ein stereotypes und standardisiertes Gerüst gezwängt und so ihrer Kreativität beraubt. Die Entwicklung der Plattenfirmen, auch Labels genannt, die eine zentrale Position innerhalb der Musikindustrie darstellen, stehen immer wieder in der Kritik. Diese zielt auf das Oligopol weltweit agierender Konzerne. Ist die gesamtwirtschaftliche Struktur der Labels in den 40er, 50er und 60er Jahren durch eine Vielzahl von kleinen Labels gekennzeichnet, beginnt jedoch schon Ende der 60er eine Konzentration der Marktanteile auf immer weniger Labels (z. B. Virgin Group, Warner Brothers, Ariola). Die so erwirtschafteten Gewinne münden in eine Merger-&Aquisitionswelle. Die daraus entstandenen, auch als Major-Labels bezeichneten, Labels gewinnen immer größeren Einfluss auf Abläufe des Industriezweiges und darüber hinaus. Dies führt zu einer Erweiterung der Bedeutung Musikindustrie auf Bereiche, die an der Herstellung und dem Verkauf von Musik gar nichts oder nur indirekt zu tun haben. Ein Problem bei der Erfassung des Begriffs Musikindustrie besteht in der Undurchsichtigkeit des zugänglichen Zahlenmaterials und der komplexen, ständigen Veränderungen ausgesetzten Unternehmensstrukturen. So weichen Informationen oft voneinander ab oder die Zusammensetzung von Statistiken und Zahlen sind nicht zu erschließen. Hinzu kommt, dass man auf die öffentlichen Angaben der Musikindustrie angewiesen ist, die aber aus wirtschaftlich taktischem Kalkül handeln.

Aktuelle Diskussion

Nach einem stetigen wirtschaftlichen Wachstum in den 1980er und 1990er Jahren, verursacht v. a. auch durch das neue Format der CD und sinkende Produktionskosten, geriet die Musikindustrie nach dem Jahrtausendwechsel in Absatzschwierigkeiten. Zusätzlich zur allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage werfen Kritiker der Musikindustrie als Erklärung u. a. strategische Fehlausrichtungen und mangelnde Innovationskraft vor. Von Seiten der Musikindustrie hingegen wird v. a. die zunehmende Popularität so genannter Musiktauschbörsen verantwortlich gemacht. Die Auseinandersetzung um den Stellenwert der Musiktauschbörsen ist der derzeitige Kernpunkt der Diskussion. Die Musikindustrie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, in ihrer Fixiertheit auf das Medium CD den Aufschwung des Internets verschlafen zu haben. Die Möglichkeit neuer Vertriebswege für die eigenen Produkte wurde nicht genutzt. Nach vergeblichen Versuchen, die Tauschbörsen vom Markt zu klagen, versucht man mittlerweile die Fehlsteuerung zu korrigieren, indem eigene kostenpflichtige Angebote im Internet platziert werden. Ein anderer neuer Absatzweg der Musikindustrie sind kostenpflichtige Telefon-Klingeltöne. Zusätzlich versieht die Musikindustrie CDs mit Kopierschutz/Abspielschutz; da diese (von Kritikerseite "Un-CDs" genannten) Tonträger nicht standardkonform sind, funktionieren sie nicht auf allen Geräten: vor allem portable Geräte, CD-Spieler fürs Auto und PC-Laufwerke verweigern oft den Dienst. Viele potenzielle Käufer scheinen sich durch solche Mechanismen vom Kauf abgeschreckt zu fühlen. Auch die Fixierung auf mit immer größerem Budget ausgestattete "gecastete" Musiker löste die strategischen Erwartungen der Musikindustrie nicht ein. Als weiteren Grund für die Krise der Musikindustrie wird in Deutschland gehandelt, dass die Privatradios, aber auch zunehmend die Popwellen der ARD zuviele Musiktitel am Tag wiederholen, wodurch der Hörer vom Kaufen neuer Veröffentlichungen abgeschreckt werden könnte. Eine Umfrage der Computerzeitschrift c't zum Thema Digital Rights Management ergab, dass gerade diejenigen, die Musik illegal aus dem Internet herunterladen, auch mehr Geld für den legalen Erwerb von Tonträgern ausgeben (Quelle: [http://www.heise.de/newsticker/meldung/56553]). Das unterstützt die These, dass kostenlose Angebote Kunden zum Kauf anregen könnten. Siehe auch: Major-Label, Independent-Label, Musikpiraterie, Kopierschutz

Literatur


- Janko Röttgers: [http://www.heise.de/tp/deutsch/html/buch_10.html Mix, Burn & R. I. P. – Das Ende der Musikindustrie], ISBN 3936931089, erhältlich unter der Creative Commons Lizenz, siehe Weblink
- Norman Lebrecht, When the Music Stops: Managers, Maestros and the Corporate Murder of Classical Music, Simon & Schuster, 1996
- [http://www.jochenhaller.de/ueber/ Jochen Haller], [http://www.musikindustrie.biz Urheberrechtsschutz in der Musikindustrie: Eine ökonomische Analyse], Verlag Josef Eul, 2005. ISBN 3-89936-352-3

Weblink


- [http://www.mixburnrip.de Mix, Burn & R.I.P. Das Ende der Musikindustrie]
- Christian Imhorst, [http://imhorst.com/Gen_D.html Die "verlorene Generation" der Musikindustrie], erhältlich unter der GFDL !

Radio

] Ein Radio (lateinisch radius - der Strahl) ist ein Gerät zum Empfang von Hörfunksendungen, die von einem Radiosender über elektromagnetischen Wellen ausgesendet werden. Die empfangene Information wird im wesentlichen in Schall umgewandelt, zu einem kleinen Teil enthält sie RDS-Daten wie Senderkennung und Radiotext. Im Hochdeutschen heißt es "das" Radio. Im Südddeutschen, in der österreichischen Umgangssprache und im Schweizerischen ist "der" Radio, abgeleitet vom Radioapparat ebenfalls üblich.

Empfangsgeräte

Ein Rundfunkempfangsgerät im Sinne des Rundfunkgebührenstaatsvertrages ist eine technische Einrichtung, die zur drahtlosen oder drahtgebundenen, nicht zeitversetzten Hör- oder Sichtbarmachung oder Aufzeichnung von Rundfunkdarbietungen (Hörfunk und Fernsehen) geeignet ist. Anhand der Technik unterscheidet man unter anderem Detektor-Empfänger, Geradeausempfänger und Überlagerungsempfänger. Neben dem speziellen Radioempfänger, kann der Hörfunk auch mit Computern (Streaming Audio und Internetradio) und Satellitenreceivern empfangen werden. Das Radioempfangsteil in einer Stereoanlage wird als Tuner bezeichnet, in Kombination mit einem Verstärker Receiver. Das Autoradio wird auch als Synonym für die gesamte Auto-HiFi-Anlage, häufig kombiniert mit einem Navigationssystem, verwendet. Spezielle Radios werden für den digitalen Empfang von DAB und DRM benötigt. Bislang hat sich noch kein neuer Standard durchsetzen können. Über DVB-S und DVB-T werden zzt. ebenfalls Hörfunksender in digitaler Qualität übertragen, wobei die alten analogen Empfängsgeräte weiter genutzt werden können.

Weitere Arten:


- Transistorradio
- Volksempfänger
- Weltempfänger

News


- Wikinews: vzbv: Trendsetter sollten sich für DAB-fähiges Radiogerät entscheiden

Literatur


- Ernst Erb: Radios von gestern. Das Sachbuch für Sammler und Radio-Amateure. Luzern: M + K Computer Verl., 1989. ISBN 3-907007-09-3

Weblinks


- [http://www.radiomuseum.org/ Radiomuseum]
- [http://www.dra.de/ Deutsches Rundfunkarchiv]
- [http://www.drm-berlin.de/ Deutsches Rundfunkmuseum Berlin]
- [http://www.funkerberg.de/ Funktechnikmuseum Königs Wusterhausen]
- [http://www.radiosites.de/ Radiosites]
- [http://www.radiosuchmaschine.de/ Radiosuchmaschine]
- [http://www.radioweb.de/ Radioweb]
- [http://www.radioplay.ch/ Das Schweizer Radio Portal]
- [http://www.ukwtv.de/ Informationen für Rundfunkinteressierte und DXer]
- [http://www.hessenrecht.hessen.de/gvbl/gesetze/Staatsvertraege/35-RundfunkSVG/RGebStV/RGebStV.htm Rundfunkgebührenstaatsvertrag] Kategorie:Hörfunk Kategorie:Funktechnik ja:電波

Hypothese

Als eine Hypothese (altgriechisch υπόθεσις - die Unterstellung, Voraussetzung, Grundlage) bezeichnet man in der Wissenschaft eine vorläufig durch Beobachtungen oder Überlegungen begründete Annahme oder Vermutung, die zur Erklärung bestimmter Phänomene dient, jedoch noch nicht an der Erfahrung oder im Experiment so eingehend überprüfbar ist, dass sie zur Formulierung einer Theorie ausreichen würde. Eine Hypothese, die sich im Experiment oder an Erfahrungen bewährt hat ("verifizierte" Hypothese), kann zur Theorie oder zum Bestandteil einer Theorie werden. Eine widerlegte Hypothese muss verworfen, modifiziert oder ersetzt werden. In der Philosophie und der Rhetorik hat die Hypothese eine sprachliche Bedeutung. Hier gilt sie als Ausgangspunkt für ein dialektisches Argument, welches sich aus einer These, Behauptung oder Prämisse und einer schlussfolgernden Konklusion zusammensetzt.

Berühmte Hypothesen

Joint-Hypothese, Gaia-Hypothese, Savannen-Hypothese, Anatolien-Hypothese, Wobble-Hypothese, Kurgan-Hypothese, Frustrations-Aggressions-Hypothese, Balto-slawische Hypothese, Sapir-Whorf-Hypothese, Drei-Sektoren-Hypothese, Ein-Gen-ein-Enzym-Hypothese

Siehe auch


- These, Thesenpapier
- Arbeitshypothese, Nullhypothese, Statistik, Fehler 1. und 2. Art
- Deduktion, Induktion (Logik), Abduktion
- Rhetorik, Dialektik

Weblinks

Kategorie:Wissenschaftstheorie ----

Lehre

Der Begriff Lehre bezeichnet # Eine Ausbildung zu einem Handwerksberuf, siehe duale Berufsausbildung # Die Tätigkeit des Lehrens # Den Inhalt eines Gedanken- und Glaubenssystems, siehe Dogma. # Die Lehre (Technik) ist ein Gerät zur Überprüfung eines Werkstücks. # Die Gabe der Lehre (oder Gabe des Lehrens) wird im Neuen Testament zu den Gaben des Heiligen Geistes gezählt. Geografische Namen
- Gemeinde Lehre im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen (Deutschland), siehe Lehre (Niedersachsen).

Gesellschaft

Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen einem Alltagsverständnis von Gesellschaft (beispielsweise 'eine Menge von Personen', oder spezieller: "in guter Gesellschaft sein", "gesellschaftlichen Anschluss suchen", "das ist mir eine feine Gesellschaft") und der Verwendung des Begriffs in der Soziologie bzw. den Sozialwissenschaften überhaupt und im Privatrecht. Biosoziologisch gesehen ist der Mensch 'von Natur in Gesellschaft', mit (bereits) Aristoteles' Worten also ein ζώον πολιτικόν (zóon politikón), ein auf 'Staaten-(Gemeinden-, Poleis-)Bildung angelegtes Wesen'. Die Herkunft des Begriffes "Gesellschaft" ist aus altertümlich gewordenen Worten wie "Geselle" erkennbar (vgl. Gleich und gleich gesellt sich gern). Eine oft implizite Bedeutung des Begriffs "Gesellschaft" ist, dass seine Mitglieder ein gegenseitiges Interesse oder ein Interesse an einer allgemeinen Zielsetzung teilen.

Gesellschaft (Soziologie)

Zum Begriff

In der Soziologie wird unter Gesellschaft allgemein das Zusammenleben von Menschen verstanden. Der Begriff wird auch für Gruppen von Menschen verwandt, beispielsweise für ein Volk, oder für einen strukturierten, räumlich abgegrenzten Zusammenhang zwischen Menschen (z.B. ("die schwedische Gesellschaft") oder für ein durch die Dichte und Multiplexität sozialer "Interaktionen" abgegrenztes Knäuel im Netzwerk der Menschheit. Die Bezeichnung "Gesellschaft" ist als zentraler Grundbegriff der Soziologie nicht unumstritten. Analytisch eingeführt wurde der Terminus durch den Soziologen Ferdinand Tönnies 1887 in seinem Werk "Gemeinschaft und Gesellschaft". Tönnies stellt dem Begriff Gemeinschaft, welche sich durch gegenseitiges Vertrauen, emotionale Anbindung und Homogenität auszeichnet, den Begriff Gesellschaft gegenüber, derer sich die Akteure mit jeweils individuellen Zielen bedienen. Dies führt zu einer nur losen Verknüpfung der Individuen in der Gesellschaft. Beide, Gemeinschaft und Gesellschaft, sind für ihn Gegenstände der Soziologie. Max Weber knüpfte mit dem Begriff Vergesellschaftung daran an.

Konkrete Anwendung des Begriffs

Für konkrete Anwendungen des Begriffs wird die Grenze der Gesellschaft wegen allzu schlecht bestimmbarer Allgemeinbegriffe meist da angesetzt, wo (vermeintlich) die Gemeinsamkeit endet, die mit der Verwendung des Begriffs angedeutet werden soll. Diese Gemeinsamkeiten werden nach verschiedenen Kriterien abgegrenzt. So werden einzelne Länder (Abgrenzungskriterium: Landesgrenzen) als Gesellschaften bezeichnet, ebenso wie Kulturen (Abgrenzungskriterium: Kulturgrenzen) und soziale Systeme. Wer Soziologie betreibt, wird immer fragen, wer erfolgreich eine "Gesellschaft" definiere. Dies ist schwieriger als beim Staat (auch der Nation) zu ermitteln, der durch völkerrechtlichen Vertrag oder erfolgreiche Proklamation entsteht, oder selbst beim Volk, das sich im Selbstverständnis durch symbolische, miteinander eng vernetzte Medien (Sprache, Liedgut, Abstammungs- und andere Mythen usw. als solches versteht, oft mit dichterischer Nachhilfe - vgl. Homer, Dante, Luther; Nationaldichter). Wer aber definiert z.B. die "polnische Gesellschaft", d.h. grenzt das oben angesprochene "Knäuel" im sozialen Netzwerk Ostmitteleuropa als das "polnische" ab? Vermutlich Soziolog/inn/en. Den politischen Eliten kann das kaum Recht sein. Die neoliberale Politikerin Margaret Thatcher stellte die Existenz von "Gesellschaft" überhaupt in Abrede.

Soziologische Schulen und ihr Zugriff zur "Gesellschaft"

Im (z.B.) Strukturfunktionalismus bildet sich aus Akteuren dann eine "Gesellschaft", wenn sie in der Lage ist, mittels bestimmter sozialer Funktionen die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen (vgl. Talcott Parsons, aber auch: den Funktionalismus). Funktional darauf ausgerichtet bilden sich "Institutionen"; und ohne die Herausbildung von entsprechenden "Strukturen" ist eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung nicht möglich.
Auch ein Robinson Crusoe überlebt nur, weil er die Methoden zur Bewältigung der Welt (Normen, Werte, Fähigkeiten) verinnerlicht hat, weil er die Gesellschaft in sich trägt - z.B., wenn er auf seiner einsamen Insel 'fromm' wird. Akteur (oder, strittig, Individuum) und Gesellschaft stehen in einem wechselseitigem Abhängigkeitsverhältnis. Langfristig stabilisieren sich Gesellschaften nur, wenn sie sich über Sozialisation Strukturen und Wertvorstellungen reproduzieren. Ursprüngliche Instanz ist hier durch biologische Determination die Kernfamilie (sogar dies ist umstritten). "Gesellschaft" in systemtheoretischen Begriffen ist, mit Luhmann ausgedrückt, das umfassendste soziale System, die Einheit, die keine soziale Umwelt mehr hat und alle (anderen) sozialen Systeme, Verhältnisse und Tatbestände umfasst. Anders ausgedrückt ist Gesellschaft alles, was durch Kommunikation füreinander erreichbar ist. Für den 2002 verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu ist "Gesellschaft" nicht völlig erklärbar. Es gebe aber zwei zu unterscheidende Ebenen: die Ebene der sozialen Praxis, in der sich das Leben nach Regelmäßigkeiten abspiele, deren Ablauf die Akteure zum großen Teil unbewusst inkorporiert haben, und die Ebene der "Theorie der Praxis", wo untersucht werden müsse, die unbewussten, in ihrer Gesamtheit kaum wahrgenommenen Machtverhältnisse der sozialen Praxis aufzudecken, und zwar dort, wo sie weitest gehend mit den Gewohnheiten des Handelns, des Wahrnehmens und Beurteilens bricht. Bourdieus sehr einflussreiches Werk enthält damit eine gesellschaftskritische Komponente. Auch in der heutigen (2005) Soziologie ist die Verwendung des Begriffes "Gesellschaft" nicht unumstritten. So fordert z.B. der britische Soziologie John Urry für eine Soziologie des 21. Jahrhunderts die Abkehr von der Analyse von "Gesellschaften" (Sociology Beyond Societies, London 2000).

"Weltgesellschaft"

Tönnies' und Luhmanns Ansätze erlauben - wie die vieler anderer soziologischer Makrotheoretiker - auch die Konzeption einer "Weltgesellschaft" (bei Karl Marx durch den durchdringenden Ausbeutungsmechanismus im Kapitalismus; bei Ludwig Gumplovicz durch den Krieg zwischen Gruppen; bei Ferdinand Tönnies durch den Fernhandel; bei Niklas Luhmann durch Anschluss von Kommunikationmedien wie etwa durch "Zahlungen" von "Geld"; usw.).

Marxismus

Die Gesellschaft wird hier nach dem geschichtlichen Entwicklungsstand der Produktionsverhältnisse beschrieben:
- Urgesellschaft
- Sklavenhaltergesellschaft
- Feudalismus
- Asiatische Produktionsweise
- Kapitalismus
- Sozialismus
- Kommunismus

Rechtsform

Das Wort Gesellschaft wird im juristischen Sprachgebrauch für Zusammenschlüsse natürlicher oder juristischer Personen gebraucht, siehe Rechtsform.

Verwandte Themen


- Gesellschaftsordnung, Sozialstruktur, Gemeinwesen, Unterscheidung von Staat und Gesellschaft, Gesellschaftsmodell, Nivellierte Mittelstandsgesellschaft
- Industriegesellschaft, Konsumgesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, Informationsgesellschaft, Erlebnisgesellschaft, Netzwerkgesellschaft, Risikogesellschaft ja:社会 ko:사회 nb:Samfunn simple:Society zh-min-nan:Siā-hōe Kategorie:Soziologie Kategorie:Gesellschaftsrecht Kategorie:Wortexport

Einzelwissenschaft

Eine Einzelwissenschaft bezeichnet, im Gegensatz zur Wissenschaft schlechthin, eine besondere wissenschaftliche Disziplin, z. B. Romanistik, Soziologie, Tiefbau (als besondere Ingenieurwissenschaft), Veterinärmedizin oder Vulkanologie.

Siehe auch

Universalwissenschaft, Baum des Wissens !

Individuum

Unter einem Individuum (lat.: unteilbar, aber auch nicht zu Teilendes) versteht man etwas Einzelnes in seiner Gesamtheit mit allen Eigenheiten und Eigenarten, die in ihrem Gesamtgefüge wiederum bestimmend sind für seine Individualität. Es bezeichnet also das räumlich und qualitativ einmalige Einzelwesen (seltener auch Einzelding). Der Begriff Individuum wird praktisch ausschließlich auf Lebewesen und auf den Menschen angewendet; Einheit und intakte Ganzheit ist bei ihnen lebensnotwendig. Bei Menschen wird statt von Individuen mit derselben Bedeutung auch von Personen geredet, deren individuelle Eigenschaften und Interessen dann den Besonderheiten, die in einer Personengruppe (Gemeinschaft, Gesellschaft, Kollektiv) vorherrschen, gegenübergestellt werden können. Die Bedeutung des Individuums schwankt in der Geistesgeschichte sowohl in der zeitlichen Dimension (epochenabhängig) wie auch in der räumlichen Dimension (Kulturen). Die Moderne, die heute Europa und Nordamerika bestimmt, betont das Individuum im historischen wie auch im interkulturellen Vergleich sehr stark. Diese starke Betonung des Individuums wird auch Individualismus genannt, im Gegensatz zum Kollektivismus. Die geistesgeschichtliche Streitfrage ist die nach der Bedeutung des Einzelnen im Vergleich zu der Gemeinschaft, in der er lebt. In neuerer Zeit wurde dies in den Extrempositionen von Max Stirner ("Der Einzige und sein Eigentum") und dem Nationalsozialismus ("Du bist nichts, Dein Volk ist alles") besonders deutlich. Dem Individualismus kommen Gedankensysteme wie der Anarchismus oder der Liberalismus sehr entgegen. Die Gegenpositionen zum Indiviualismus nehmen besonders sozialistische Systeme ein. Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser groben Orientierung. So betont etwa der Liberale Max Weber das Volk als hohen Wert, während es Sozialisten gibt, die eine Gesellschaftsordnung anstreben, in der der einzelne ohne gesellschaftliche Bindung leben kann. Einer der ersten, die im europäisch-abendländischen Kulturkreis das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft thematisiert haben, war Aristoteles, der in seiner Politik den Menschen als zoon politikon, also als Gemeinschaftslebewesen bezeichnete. In neuerer Zeit war es vor allem Jean-Jacques Rousseau, der sich des Themas annahm. Er unterschied in der Gesellschaft zwischen dem Willen aller (Individuen) einerseits und dem allgemeinen Willen der Gemeinschaft. Diese Unterscheidung findet heute z. B. Anwendung im Versicherungsparadoxon. Danach hat jeder individuelle Versicherte ein Interesse daran, möglichst viel aus der Versicherung herauszuholen. Wenn dies aber alle tun, wird die Versicherung immer teuerer, was dem Interesse der Versichertengemeinschaft widerspricht. Die Abhängigkeit der Moral und Ethik von der Gesellschaft hat der Soziologe Emile Durkheim herausgearbeitet. Nach ihm gibt es Moral überhaupt erst durch das Kollektiv. Das Individuum an sich kennt keine Moral. Nach Durkheim sind so auch Verbrechen nichts als ein Verstoß gegen kollektive Gefühle. In der liberalen Wirtschaftsideologie von Adam Smith hingegen wird - ganz im Gegensatz zur Aussage von Rousseau - davon ausgegangen, dass die Summe der Eigenegoismen automatisch zum größtmöglichen Glück der größten Zahl führt. Lediglich für die wenigen Ausnahmen muss der Staat Sicherheit gewähren, was polemisch häufig als Nachtwächterstaat bezeichnet wurde.

Individuum, Masse und Persönlichkeit

Mit dem Heraufkommen der besonderen Bedeutung eines jeden Individuums entstanden Begriffe wie Masse und Persönlichkeit. Individuen werden ohne soziale Einbindung zur einsamen Masse, wie der Soziologe David Riesmann es nannte. Einen Aufstand der Massen diagnostizierte der spanische Philosoph Ortega y Gasset. Er erfolgt aus der Vereinigung der zu Individuen Vereinzelten. Unter einer Persönlichkeit versteht man im allgemeinen ein Individuum, dem es gelungen ist, sich aus der Masse zu erheben. So sieht denn die Kritik am Individualismus zwei Möglichkeiten: Das anonyme Aufgehen des Einzelnen in der Masse, die unter Umständen von kollektivistischen Bewegungen organisiert werden und dann geschichtsträchtig werden können. Die andere Möglichkeit ist die Höherentwicklung des Individuums zur eigenständigen, emanzipierten Persönlichkeit. Daraus ergeben sich zwei Bewegungsrichtungen. Eine optimistische unterstellt, dass sich die meisten Individuen zur Persönlichkeit weiterentwickeln können und der Indivualismus daher ein Fortschritt auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft ist. Die entgegengesetzte pessimistische unterstellt, dass die Individuen dies nicht schaffen, sondern als Masse lediglich Spielball einer Minderheit sind bzw. werden oder von Demagogen ausgenutzt werden, der Individualismus daher eine Fehlentwicklung sei.

Individuum im interkulturellen Vergleich

Das Individuum hat unter einer religiös-göttlichen Betrachtung eine gänzlich andere Bedeutung als in der Moderne. Zwar ist es der einzelne Mensch, der selig wird, aber dies wird nicht so sehr im Gegensatz zur Gesellschaft, sondern im Verhältnis zu Gott gesehen. Der Individualismus der Moderne setzt daher die Säkularisierung voraus. Wo diese nicht erfolgt ist, hat das Individuum eine sehr persönliche Bedeutung gegenüber Gott, aber nicht gegenüber der Gesellschaft. Erkennbar wird das beispielsweise daran, dass im Mittelalter Künstler, die Kirchen ausschmückten, ihre Werke nicht individuell zeichneten. Die Signatur eines Kunstwerkes kam erst auf, als das Individuum begann, eine gesellschaftliche Bedeutung zu erlangen. Auch der Islam hat in weiten Zügen eine solche anonyme Ausrichtung, verstärkt durch die Bilderfeindlichkeit im Koran. Im Gegensatz der Moderne und dem Islam prallen so auch unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung und den Wert des Individuums aufeinander. Das vor allem aus indischen Einflüssen bestimmte asiatische Denken legt dem Individuum ebenfalls einen deutliche geringeren Wert bei. Die antiwestlichen Strömungen werden auch daraus genährt. Zwar gibt es auch im asiatischen Denken den einzelnen Menschen, aber niemals in der starken Betonung wie in der westlichen Moderne. Das Indiviuum ist dort viel stärker eingebunden in den ewigen Kreislauf bzw. in die Tradition der Familie, wie dies insbesondere in China deutlich wird.

Wissenschaften, die sich mit dem Individuum befassen


- Die Soziologie befasst sich mit der Einbindung des Indivduums in die Gesellschaft.
- Die Philosophie behandelt das Thema Individuum und Gemeinschaft im weitesten Sinne. Spezialgebiete wie Anthropologie und politische Wissenschaften greifen Einzelbereiche des Individuums heraus.
- Die Psychologie befasst sich insbesondere mit individuellen Problemen, die aus dem Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft erfolgen.
- Die Verhaltensforschung befasst sich mit den genetischen Bedingungen von Individuum und Gruppe.
- Die Rechtswissenschaften behandeln die Normen, die eine Gesellschaft (der Staat) den einzelnen Individuen gibt und bestimmt das Verhältnis zwischen den individuellen und den kollektiven Interessen.
- In der Biologie sind Individuen Einzellebewesen einer Art.
- Die Theologie nimmt sich des Verhältnisses des Einzelmenschen zu Gott an und thematisiert die Moral.

Auffassungen in der Antike und im Idealimus

In der antiken Philosophie wurde der Begriff hauptsächlich für das "Atom" verwendet, später, vor allem mit der frühbürgerlichen Revolution in Europa auch für das einzelne Lebewesen und den einzelnen Menschen. In idealistischen und religiösen Auffassungen beschränkt sich die Anwendung auf das Wesen, dem eine immatrielle Seele zugesprochen wird. In der neueren Zeit wird damit vorwiegend eine einzelnen Organisation und der Mensch bezeichnet, aber auch andere materiellen Objekte, z.B. für einzelne Elementarteilchen.

Die Systemeigenschaften im Hinblick auf Eigenschaften eines Individuums

Im Prinzip ist jedes materielle System als Individuum anzusehen, da es über Eigenschaften(d.h. Systemeigenschaften) verfügt, die keines seiner Elemente losgelöst von den anderen Elementen des Systems besitzt und in dieser spezifischen Ausprägung infolge seiner Herausbildung in einer konkreten spezifischen Umwelt auch kein anderes System. Als Individuum grenzt sich jedes System raumzeitlich und qualitativ von seiner Umwelt ab, mit der es in Wechselwirkung steht, so daß von einer dialektischen Wechselwirkung gesprochen werden kann, welches spezifische Bedingungen für das Individuum schafft. Daraus ergibt sich die relative Selbständigkeit des Individuums, die Fähigekit zu eigener Entwicklung aufgrund innewohnender Triebkräfte, zu ihm eigentümlichen Bewegungen und Reaktionen auf Einwirkungen aus der Umwelt.

Die Herausbildung der Individualität

Der Grad der relativen Selbständigkeit, Besonderheit und Eigentümlichkeit wird auch der Grad der Individualität bezeichnet. Der Grad der Individualität jedes Systems ist abhängig von dem des übergeordneten umfassenden Systems und dem seiner eigenen Elemente. In Integrationsprozessen nimmt in der Regel der Individualitätsgrad von Systemen zu und der ihrer Elemente ab(Integration (Philosophie)). Die Verabsolutierung der Individualität, besonders des einzelnen Menschen, wird als Individualismus bezeichnet. Im Sinne der oben genannten Auffassung vom Individuum kann man jedoch auch andere Verabsolutierungen der Individualität(z.B. einer terrotialen Einheit, einer Berufsgruppe, eines Volkes, einer Nation, der menschlichen Zivilisation auf der Erde) als verschiedene Formen des Individualismus auffassen. Daraus ergibt sich auch die Staatsräson.

Der Begriff des Individuums in der Biologie

In der Biologie wurde über lange Zeiträume der Begriff des Individuums fast ausschließlich auf den einzelnen Organismus bezogen. Diese Verabsolutierung wurde im 20. Jahrhundert schrittweise übernommen unter Kritik des "Organismozentrismus". Nach der Entdeckung der pflanzlichen und tierischen Zelle trat im 19. Jahrhundert zeitweilig eine gewisse Überbewertzung der Individulität der Zelle zuungunsten der Individualität des Gesamtorganismus auf("Zellenstaattheorien"). In der biologischen Diskussion um die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es eine Überbewertung der Individualität der Art zuungunsten des Organismus. Derartige Überbewertungen sind in den heutigen Vorstellungen der hierarchischen Ordnung lebender Systeme weitgehend überwunden.

Das Individuum in der Logik

In der modernen Logik wird unter einem Individuum jedes Objekt außerhalb und innerhalb des Bewußtseins bezeichnet, das Eigenschaften besitzt und irgendwelche Beziehungen aufweist, aber nicht selbst Eigenschaft oder Beziehung bildet. Die Individuen in diesem allgemeinen und abstrakten Sinne mit ihren Eigenschaften und Beziehungen konstituieren Individuenbereiche, auf die sich die logischen Ausdrücke, Aussagen u.a. beziehen. Da die logischen Gesetze im Allgemeinen für beliebige (nicht leere) Individuenbereiche gelten, wird üblicherweise nicht näher bestimmt, welcher Natur diese Individuen sind. Hängt die Gültigkeit eines logischen Gesetzes von der Anzahl der Individuen ab, die dem zugrunde liegenden Individuenbereich angehören, so wird nur diese Anzahl angegeben. Der Begriff des Individuums gehört zu den Grundbegriffen der modernen Logik, die in ihrem Rahmen als indefiniert angenommen werden und auch dort gar nicht definiert werden können. Bei Anwendungen der Logik muss jedoch genau bestimmt werden, was im Rahmen des betrachteten Individuenbereichs als Individuum anzusehen ist. Wird insbesondere die Unterscheidung zwischen den Individuen einerseits und den ihnen zukommenden Eigenschaften und Beziehungen andererseits nicht streng eingehalten, besteht die Gefahr des Auftretens logischer, d.h. syntaktischer Antinomien. Im Rahmen verschiedener Anwendungen der Logik kann allerdings ein und dasselbe Objekt einmal als Individuum, ein anderes Mal als Eigenschaft angesehen werden. Will man z. B. gewisse Eigenschaften und ihre Beziehungen untersuchen, ohne ihre Beziehungen zu den Individuen, deren Eigenschaften sie sind, ebenfalls zu berücksichtigen, dürfen sie wie Individuen und dürfen ihre Eigenschaften und Beziehungen wie solche erster Stufe behandelt werden. Der Vorteil dieser Verfahrensweise besteht darin, dass man nicht von der Stufenlogik mitsamt den mit ihr verbundenen Schwierigkeiten Gebrauch machen muss, sondern mit der wesentlich enfacheren Prädikatenlogik der ersten Stufe auskommt. In Darstellungen der Prädikatenlogik verwendet man Individuenvariable, um Existential- oder Allaussagen über die Individuen des entsprechenden Individuenbeichs treffen zu können. Bei Anwendungen der Logik muss man eventuell auch Individuenkonstante einführen.

Individuum in der Wirtschaft

siehe: Homo oeconomicus (=Individuum (Wirtschaft))

Individuum in der Gesellschaft

siehe: Homo sociologicus

Individuum in der Politik

siehe: Homo politicus

Literatur


- Franciscus Suarez: Über die Individualität und das Individuationsprinzip (Fünfte metaphysische Disputation), lateinisch – deutsch, herausgegeben, übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Rainer Specht, Hamburg 1976

Siehe auch


- Individualaussage
- Individualisierung
- Individualgut
- Individualbegriff Kategorie:Sozialphilosophie Kategorie:Logik Kategorie:Ontologie ja:個人

Außenseiter

Als Außenseiter bezeichnet man natürliche Personen (soziologisch: "Akteure") oder soziale Gruppierungen (soziologisch:"kollektive Akteure"),
- die sich in einem bestimmten Bereich als Nichtfachleute oder Uneingeweihte herausstellen oder sich selbst als solche empfinden;
- die außerhalb gesellschaftlicher Gruppen stehen, meist eigene Wege verfolgen und sich eigene Ziele setzen;
- die von einer anderen Gruppierung auf Grund von (sehr unterschiedlichen) Normen ausgegrenzt ("exkludiert") werden;
  - die sich selbst - erfolgreich - als etabliert und komplett (insoweit als eine legitime "Gemeinschaft") verstehen (die z.B. ein "Establishment" ausmacht) - siehe auch Soziale Randgruppe;
- die nicht selten auf erfolgte Ausgrenzung mit einer Selbstausgrenzung antworten.

Beispiele

Schulleben

An Schulen ist die Anzahl der Außenseiter zum Beispiel sehr hoch.
Es gibt viele "Gründe" für die Ausgrenzung einer Person und somit zur Etablierung einer Außenseiterstellung. Ein kindlicher bzw. jugendlicher Außenseiter zeigt oft kein Interesse an so genannter moderner oder auch Marken - Kleidung, sei es durch bewusste Ablehnung von Modetrends oder mangels finanzieller Mittel. Häufig versuchen Außenseiter jedoch, durch die Vergötterung solcher Dinge in die Gesellschaft zurückzufinden. Sie sehen sich selber oft als wertlos und betrachten andere als wertvoller als sich selbst. Ein stigmatisiertes Äußeres führt oft zu Problemen mit dem Selbstwertgefühl, Schüchternheit oder der Mangel an aggresivem Verhalten können ebenso zu einer Außenseiterstellung führen, wie eine Überanpassung an gesellschaftliche Normen in Räumen, in denen dies nicht als adäquat empfunden wird. Die Person kann dann unreflektierten Hänseleien ausgesetzt sein und von der Schul- oder Klassengemeinschaft zum Außenseiter gemacht werden.
Man unterscheidet aggressiv-antisoziale Außenseiter (z. B. Klassenclowns, Raufbolde, Freche, Ehrgeizlinge) und introvertiert-schüchterne Außenseiter (z.B. Leistungsschwache, Drückeberger, Schwache).
Da Außenseiter häufig von den Nicht-Außenseitern gedemütigt werden, kann dies bei den Opfern zu depressiven Zuständen und Suizidgefahr führen (Vergleiche dazu auch den Artikel Mobbing in der Schule). Da sie sich ihres Außenseitertums schämen, bemerken Lehrer diese Belastung nicht unbedingt. Schulen informieren deshalb auch nicht das Elternhaus; noch seltener sehen sie sich in der Lage, diesem Mobbing ggf. sozialpädagogisch abzuhelfen.

Sport

Im Sport bezeichnet man Teams bzw. Sportler mit sehr geringer Chancen auf einen Sieg als Außenseiter. Ein Rennpferd mit geringen Siegaussichten, das dadurch bei der Wette eine hohe Gewinnquote verspricht, wird in Anlehnung an das englische outsider als Außenseiter bezeichnet.

Soziologie

Überall, wo es Gemeinschaften mit sozialen Normen gibt, gehört zu ihnen auch eine (oft implizite) Regelung für Normbrecher (hier nicht einschlägig) und ferner eine Regelung, welche sozialen Akteure gar nicht erst darunter fallen, so dass man große soziale Distanz zu ihnen zu halten sucht. Nach welchen Normen diese "Außenseiter" ausgeschlossen sind, ist sehr unterschiedlich; große Gruppierungen können dazu gehören, wie etwa in einer Kastengesellschaft die Parias. Auf den Betroffenen sehr merkliche, sonst aber unauffällige Weise ist dieser soziale Prozess des auf Distanz Bringens als Exklusion schwächer oder stärker allgegenwärtig.

Literatur und Medien

In der Belletristik sind Außenseiter ein beliebtes Thema (vgl. z.B. Wilhelm Raabes "Stopfkuchen"), weil sich die Verfasser meist selber gut in dieser Rolle auskennen. Im DDR-Fernsehen und später im MDR gibt es eine Sendung mit dem Namen "Außenseiter-Spitzenreiter", die von Hans-Joachim Wolfram moderiert kuriose Hobbys und Erfindungen dem Publikum vorstellte sowie interessanten Zuschauerfragen nachging (Gibt es im Gefängnis ausgeschilderte Fluchtwege?).

Siehe auch


- Dissoziation
- Mobbing in der Schule
- Psychodynamik
- Psychotherapie
- Soziale Randgruppe

Literatur


- Norbert Elias/Eric Dunning, Etablierte und Außenseiter (dt. 1990).
- Rauchfleisch, Udo - Außenseiter der Gesellschaft, Psychodynamik und Möglichkeiten zur Psychotherapie Kategorie:Soziologie Kategorie:Devianz

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ("Geschlechtsrollenausgleich", "integrierte Geschlechtergleichstellung") wird von der Europäischen Union als „Einbindung der Chancengleichheit in sämtliche politische Konzepte und Maßnahmen der Gemeinschaft“ definiert: „Hierbei geht es darum, die Bemühungen um das Vorantreiben der Chancengleichheit nicht auf die Durchführung von Sondermaßnahmen für Frauen zu beschränken, sondern zur Verwirklichung der Gleichberechtigung ausdrücklich sämtliche allgemeinen politischen Konzepte und Maßnahmen zu nutzen, indem nämlich die etwaigen Auswirkungen auf die Situation von Frauen bzw. von Männern bereits in der Planungsphase aktiv und erkennbar integriert werden (gender perspective). Dies setzt voraus, dass politische Konzepte und Maßnahmen systematisch hinterfragt und die etwaigen Auswirkungen bei der Festlegung und Umsetzung berücksichtigt werden.“ (Quelle: [http://europa.eu.int/comm/employment_social/equ_opp/gms_de.html]) Dieser Definition ordnen sich alle Europäischen Staaten und auch in Deutschland das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004) unter. Laut BMFSFJ bedeutet Gender Mainstreaming bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Quelle:[http://www.gender-mainstreaming.net/]

Worterklärung und Übersetzung

gender (engl.): Der englische Begriff besitzt im Deutschen kein einfaches Äquivalent ("soziales Geschlecht") und bezeichnet nach einer Definition des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen von Frauen und Männern. Angesprochen ist also das sozial konstruierte und nicht das biologische Geschlecht (siehe gender). mainstreaming (engl. "zum Hauptstrom machen", "in den Hauptstrom bringen", bzw. mainstream= Hauptströmung) bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird. (Definition Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend, 2004). So lässt sich daraus die deutsche Übersetzung "Geschlechtsrollenausgleich" oder auch "integrierte Geschlechtergleichstellung" herleiten.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming

Die konsequente Umsetzung des Gender Mainstreaming-Gedankens wird in Europa noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen, da die bisherige Praxis von partiell wirksamen Maßnahmen der Frauenförderung geprägt war, die an kritischen Stellen zur Benachteiligung von Männern führte, eine Gleichstellung von Frauen aber gerade in Kernbereichen von Beruf, Wissenschaft und Öffentlichkeit bisher nicht zufriedenstellend bewirken konnte. Der Blick auf die Berücksichtigung beider Geschlechter bei allen Maßnahmen und Programmen muss sich zunächst einüben und im konkreten Fall die real vorgefundenen Gegebenheiten und keine ideologische Kampfparole zum Ausgangspunkt der Entscheidungen machen.

Aufgabe des Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004) ein Auftrag
- an die Spitze einer Verwaltung, einer Organisation, eines Unternehmens und
- an alle Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern
- in der Struktur
- in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen
- in den Ergebnissen und Produkten
- in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
- in der Steuerung (Controlling) von vornherein zu berücksichtigen, um das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern effektiv verwirklichen zu können.

Rechtliche Grundlage des Gender Mainstreaming

Sowohl im internationalen Recht als auch im nationalen Verfassungsrecht und in Bundesgesetzen ist aktive Gleichstellungspolitik verankert, die im Sinne des Gender Mainstreaming interpretiert wird. Verpflichtungen zur Umsetzung einer aktiven, effektiven Gleichstellungspolitik im Sinne des Gender Mainstreaming ergeben sich sowohl aus internationalem Recht als auch aus unserem nationalen Verfassungsrecht. „Aufgabe der Gemeinschaft ist es, durch die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion sowie durch die Durchführung der in den Artikeln 3 und 4 genannten gemeinsamen Politiken und Maßnahmen in der ganzen Gemeinschaft [...] die Gleichstellung von Männern und Frauen [...] zu fördern.“ (Artikel 2 des Amsterdamer Vertrags, in Kraft getreten am 1. Mai 1999) „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Art. 3 Absatz 2 Satz 1, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland), der Staat wird nun ausdrücklich in die Pflicht genommen, „die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ zu fördern und „auf die Beseitigung bestehender Nachteile“ hinzuwirken (Art. 3 Abs. 2 S. 2 GG, Änderung von 1994). „Hierbei geht es darum, die Bemühungen um das Vorantreiben der Chancengleichheit nicht auf die Durchführung von Sondermaßnahmen für Frauen zu beschränken, sondern zur Verwirklichung der Gleichberechtigung ausdrücklich sämtliche allgemeinen politischen Konzepte und Maßnahmen einzuspannen, indem nämlich die etwaigen Auswirkungen auf die Situation der Frauen bzw. der Männer bereits in der Konzeptionsphase aktiv und erkennbar integriert werden („gender perspective“). Dies setzt voraus, daß diese politischen Konzepte und Maßnahmen systematisch hinterfragt und die etwaigen Auswirkungen bei der Festlegung und Umsetzung berücksichtigt werden.“ (Auszug aus der Kommissionsmitteilung zur "Einbindung der Chancengleichheit in sämtliche politische Konzepte und Maßnahmen der Gemeinschaft" (COM(96)67 endg.))

Methoden des Gender Mainstreaming

In Stiegler (2000) werden einige Verfahren vorgestellt, wie Gender Mainstreaming realisiert werden kann.
- Aufstellung geschlechtsspezifischer Statistiken
- Kosten-Nutzen-Analysen nach Geschlecht und Geschlechterrollen
- Erarbeitung von Gender-Analysen
- Checklisten
- Die 3-R-Methode Unter den drei Kategorien Repräsentation, Ressourcen und Realisierung wird jede politische Maßnahme geprüft.

Beispiele

An einigen Auszügen der Website des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004) wird illustriert, wie und wo Gender Mainstreaming in der Praxis zum Einsatz ansetzen könnte

Gesundheit

Frauen trinken und rauchen weniger, sind jedoch eher medikamentenabhängig und zeigen Essstörungen. Doch auch immer mehr junge Männer leiden darunter. Auf zehn oder zwölf magersüchtige Mädchen und Frauen kommt nach Schätzungen ein junger Mann. In den Fachkliniken verabschiedet man sich deshalb von dem Klischee, Magersucht sei eine „Mädchenkrankheit“. Die Krankheitsverläufe sind oft schwerer, auch weil die Jungen später als Mädchen ärztliche Hilfe suchen. Familien, Lehrer und Lehrerinnen haben gerade erst ihren Blick für magersüchtige Mädchen geschärft und schieben Magerkeit bei Jungen eher auf das Wachstum. Gender Mainstreaming würde hier bedeuten, für Jungen eine eigene Strategie gegen Magersucht zu entwickeln. (BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004) Es gibt Krankheiten, die eher als Männerkrankheiten wahrgenommen werden, z. B. der Herzinfarkt. Das hat zur Folge, dass sich Ursachenforschung und die Erprobung von Therapieformen mehr an Männern orientierten, während der spezifische Krankheitsverlauf bei Frauen mit seinen zum Teil andersartigen Symptomen lange Zeit unerkannt blieb und damit auch die entsprechenden Heilmethoden nicht entwickelt wurden. Bei Frauen wurden Herzinfarkte deshalb oft nicht rechtzeitig erkannt und behandelt mit der Folge, dass Frauen öfter an Herzinfarkten starben als Männer, obwohl diese öfter daran erkranken. (BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004)

Mobilität

Frauen verfügen für den alltäglichen Gebrauch wesentlich seltener über ein Auto als Männer. Gleichzeitig haben sie aufgrund der immer noch vorherrschenden geschlechtsspezifischen Rollenverteilung die Hauptverantwortung für die Koordinierung aller familiären Aktivitäten. Daraus ergeben sich geschlechtsspezifisch unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen z. B. an das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs. (BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004)

Berufswahl und Folgen

Mädchen und Frauen begreifen ihre Berufstätigkeit oft als „Zuverdienst“ und sind eher bereit, ihren Beruf zugunsten der Familienarbeit einzuschränken, zu unterbrechen oder sogar ganz aufzugeben – mit entsprechenden Folgen für ihre Altersversorgung bzw. ihre Einkommensmöglichkeiten, wenn die Partnerschaft scheitern sollte. Gleichzeitig erhalten sie hierdurch die „Alleinkompetenz“ für Haushalt, Beziehungspflege und Kindererziehung, ohne dass dies aber ihr gesellschaftliches Ansehen steigern würde. (BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004) Für junge Männer stellt sich dagegen oft erst gar nicht die Frage, ob sie ihre Berufstätigkeit zugunsten der Familie einschränken, sie fühlen sich wie selbstverständlich für das Familieneinkommen zuständig. Ihr Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit mit der Familie kommt fast zwangsläufig zu kurz, wenn sie ihr Leben überwiegend nach den beruflichen Anforderungen ausrichten. Teilzeitarbeit wird von der Gesellschaft eher Frauen zugeschrieben, für Männer wird sie weniger akzeptiert. All dies führt zu unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungswelten bei Männern und Frauen, die Auswirkungen auf fast alle gesellschaftlichen Bereiche haben. (BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004)

Gender Mainstreaming und Frauenpolitik/Frauenförderung

Mit „Gender Mainstreaming“ wird eine Strategie bezeichnet, um geschlechtsspezifische Ausgangspositionen und Folgen einer Maßnahme zu bestimmen. Werden bei diesem Vorgehen Benachteiligungen festgestellt, sind „Frauenpolitik“ bzw. „Männerpolitik“ die einzusetzenden Instrumente, um der jeweiligen Benachteiligung entgegenzuwirken" (siehe Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend, 2004) Frauenpolitik (auch Männerpolitik) wird daher, so die Darstellung der Regierung, durch „Gender Mainstreaming“ keineswegs überflüssig gemacht.

Kritik am Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming wird von verschiedenen Seiten kritisch betrachtet. Relativ viele Feministen und Feministinnen sehen im Gender Mainstreaming eine Verwässerung erreichter Ziele. So spricht Stiegler (2000) von einem „Missbrauch“, wenn mit Verweis auf das Gender Mainstreaming Frauenbeauftragte abgeschafft oder Frauenfördermittel gekürzt werden. Auf der anderen Seite des Spektrums sehen Vertreter(innen) eines geschlechtspolitischen Backlash in Gender Mainstreaming „eine Art totalitärer Kommunismus in Sachen Sex und Geschlechterbeziehung“, Frauenbevorzugung und Männerbenachteiligung (so z. B. Bettina Röhl oder Vertreter der sogenannten Väterbewegung). Auch der Mainzer Juraprofessor Michael Bock bezeichnet Gender Mainstreaming als ideologisch gut vorbereitete „totalitäre Steigerung von Frauenpolitik“.

Literatur


- Peter Frankenfeld u. Astrid Mechel: Gender Policies in European Regional Programmes. Metropolis Verlag, o.O. 2004. ISBN 3-89518-480-2
- LIFE e. V./FrauenUmweltNetz: Gender Mainstreaming in Deutschland: Auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Umweltpolitik. [http://www.genanet.de/329.0.html/ Download als PDF] (in englisch auch als Druckversion zu bestellen, bei genanet, s. links).
- Michael Meuser u. Claudia Neusüß: Gender Mainstreaming. Konzepte – Handlungsfelder – Instrumente. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004. ISBN 3-89331-508-X
- Barbara Stiegler: Wie Gender in den Mainstream kommt: Konzepte, Argumente und Praxisbeispiele zur EU-Strategie des Gender Mainstreaming. Bonn 2005. ISBN 3-86077-881-1 (Electronic ed.: [http://www.fes.de/fulltext/asfo/00802toc.htm FES Library])
- Manfred Kloweit-Herrmann: Gender Mainstreaming „Alle anders – alle gleich“, Frauen und Männer im Berufsfeld Polizei. Tectum Verlag, Marburg 2005. ISBN 3-8288-8805-4
- Karen Oberst: Von der Geschlechterungleichheit zur Geschlechterdemokratie. Prozessbeobachtung in der Phase der Konstituierung der neuen Organisation "Vereinte Dienstleistungsg